Fanprojekt Wolfsburg: Wir schauen hin!… und sehen mehr als nur ein Fußballspiel

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus im Fußball

Die Fußball-Weltmeisterschaft zeigt es gerade wieder: Fußball bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Kultur und Religion zusammen. Für das Fanprojekt Wolfsburg geht es aber um mehr, sagt Mitarbeiterin Anke Thies: „Wir schauen weniger auf das Spielfeld, sondern versuchen stets das Ganze im Blick zu haben. Wir erleben gemeinsam mit dem VfL Wolfsburg und seinen Fans, dass Fußball Brücken schlagen kann. Wir sehen aber auch, dass Rassismus innerhalb und außerhalb der Stadien noch immer bundesweit präsent ist.“ Eine aktive Neonaziszene gebe es in Wolfsburg aber nicht.

Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft. Fanprojekte arbeiten von je her gegen Diskriminierung im Fußball und jedes Fanprojekt hat seine regionalen Besonderheiten. „Eine der wesentlichen Voraussetzungen, um Rassismus zu überwinden, ist, und da sind sich der VfL und die Stadt Wolfsburg einig, die ständige Bereitschaft sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich aktiv zu engagieren“ betont Gunnar Czimczik, Stadtjugendpfleger der Stadt Wolfsburg.

FP_wsDas Fanprojekt Wolfsburg schaut nicht weg und leistet gemeinsam mit dem VfL Wolfsburg einen wesentlichen Teil gegen Rassismus und Diskriminierung beim Fußball. Das Fanprojekt arbeitet an gemeinsamen Schnittstellen mit der VfL Wolfsburg Fußball GmbH zusammen, beide nutzen ihre jeweiligen Netzwerke und Ressourcen.

So treten Fanbeauftragte und Fanprojekt an Partnerschulen des VfL Wolfsburg heran und sind Multiplikatoren für Schüler, aber auch bei Lehrerfortbildungen. „Gerade bei Projekttagen sind wir gern gesehen und werben für mehr Demokratie und Toleranz, sprechen uns gegen jede Art der Diskriminierung aus“, so Christian Zomack vom Fanprojekt Wolfsburg. „Wir versuchen uns bei der Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung immer und zuerst an die aktiven Fans zu richten, denn oftmals können wir das kreative Engagement der Fans nutzen um gemeinsame Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen“, so Michael Schrader, Fanbeauftragter des VfL Wolfsburg.

Darüber hinaus sprechen die beiden Netzwerkpartner auch Stadionbesucher, Aktive, Schiedsrichter, Ordner und Funktionäre an. Beispielhaft ist hierbei eine Ordnerschulung zum Thema verfassungsfeindlicher Kleidung und Symbole. Gemeinsam mit den Fanbeauftragen des VfL Wolfsburg hatte das Fanprojekt eine Schulung für Ordner organisiert die die Ordner sensibilisieren sollte, mehr auf rechtsextreme Kleidung und verfassungsfeindliche Symbole in der Volkswagen Arena zu achten. Damit wurde die Aktion „Wir schauen hin!“ fortgeführt die in Kooperation mit dem VfL Wolfsburg ins Leben gerufen wurde. „In einem nächsten Schritt wollen wir eine Broschüre herausbringen und eine nächste Ordnerschulung ist bereits in Planung“, erklärt Michael Schrader.

Vorfahrt 2Für sein Engagement in der Kampagne „Wir schauen hin!“ erhielt das Fanprojekt Ende 2013, eine vierstellige Spendensumme von der IG Metall. Das erhaltene Geld soll in weitere Projekte, zur Bekämpfung jeglicher Form von Diskriminierung, fließen und die ersten Projektplanungen hierfür laufen bereits. Auch im Rahmen der Wanderausstellung „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“, die vom 10. Juni bis zum 8. Juli in Wolfsburg stattfindet, ist das Fanprojekt gemeinsam mit den Fanbeauftragten des VfL Wolfsburg nicht nur als Gast, sondern auch als Experte vertreten. Hier wird nicht nur der Blick weiter geschärft, sondern auch Erfahrung und unser Wissen eingebracht.

Dass man den Blick nicht nur auf das Spielfeld richten soll, zeigen jedoch auch Vorfälle aus der Vergangenheit. Mit einer großen Aufklärungskampagne haben die Anhänger aus der Nordkurve 2011 darauf aufmerksam gemacht, dass eine Gruppe aus dem rechtsextremen Spektrum versucht hat, beim Fußball Fuß zu fassen. „Damals“, so Anke Thies vom Fanprojekt Wolfsburg, „hatten Mitglieder der ´Bürgerinitiative für Zivilcourage´ Anstecker und Aufkleber in der Nordkurve verteilt.“ Auf Plakaten und Handzetteln hieß es: „Bei dieser Organisation handelt es sich nicht, wie der Name suggeriert, um eine Initiative, die für Toleranz und Zivilcourage wirbt, sondern um eine Gruppe aus dem rechtsextremem Spektrum,…“ VfL-Fans bei einem Heimspiel gegen Bochum verteilten die Handzettel und hängten die Plakate auf. Auflage: 6050 Stück.

Auch heute macht Christoph Heise von den Weekend Brothers, Ultras Wolfsburg deutlich, dass die Kurve Grün-Weiß ist und auch bleiben soll. Die Ultras aus Wolfsburg würden laut Heise immer wieder eine solche Aktion durchführen, damit Extremisten jeglicher Form in Wolfsburg nicht den Fußball als Plattform missbrauchen und versuchen, Leute zu akquirieren.

Bundesweit gibt es Versuche der Rechten, im Fußball Fuß zu fassen. Wie man sieht, hat die Wolfsburger Fanszene aber damals schnell reagiert. „Solche Versuche sollen auch künftig ausbleiben“, sagt Anke Thies. Das Fanprojekt unterstützt gerne Fans bei der Selbstorganisation von Kampagnen gegen Diskriminierung und steht selbstverständlich auch als Ansprechpartner und in beratender Funktion gerne zur Verfügung.

Das Engagement des Fanprojekts wird auch an anderen Stellen sichtbar: Ein besonderes Highlight war beispielsweise die Wanderausstellung „Tatort Station“. Die Ausstellung zum Thema „Diskriminierung im Fußball“ wurde gemeinsam von einer Arbeitsgruppe aus Jugendlichen der aktiven Fanszene begleitet und durch ein Rahmenprogram ergänzt, welches sich ebenfalls Antidiskriminierungsproblematiken im Fußball widmete.

In der Saison 2012/2013 wurde das Fanprojekt zudem von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Hannover im Rahmen eines Netzwerktreffens gegen Rechts als Referent zum Thema: „Rechtsaußen oder auf dem rechten Weg? Sport, Gewalt und Rechtsextremismus“ eingeladen und macht so deutlich, das hier Experten arbeiten, die sich durchaus der Chancen und Risiken des Fußballes bewusst sind.

„Fußball bietet so viele positive Chancen“, so Christian Radatus vom Fanprojekt Wolfsburg, „so wollen wir in der neuen Saison auch Groundhopping anbieten. Es soll darum gehen, Spiele in möglichst vielen verschiedenen Stadien zu besuchen. Groundhopping baut Brücken zwischen Ländern und Menschen, baut Vorurteile ab und ermöglicht Freundschaften. Genau das erscheint uns wichtig und besonders hier können wir auch mit erfahrenen Groundhoppern aus der aktiven Fanszene zusammenarbeiten und den Jugendlichen ein besonderes Erlebnis und nicht zuletzt einen Lernfaktor ermöglichen. Bereits im Vorfeld können wir somit präventiv tätig werden und uns „stark“ gegen Rassismus machen. Denn oftmals ist es die Ohnmacht und die Unsicherheit, die Menschen hindert, Zivilcourage zeigen zu können“, so Christian Radatus abschließend.